Schirmherr Wolfgang Bosbach (MdB)

„…und Sie sollten auch mal zu einem Urologen gehen, denn wir haben einen erhöhten PSA-Wert (14ng/ml) festgestellt. Da müssten Sie sich mal drum kümmern. Aber machen Sie sich keine unnötigen Sorgen, das muss nichts Ernstes sein.“

Immer wenn ein Arzt mir das gesagt hatte („muss nichts Ernstes sein“), war es „was Ernstes“ und leider hatte die nachfolgende Biopsie dies dann auch bestätigt.

Der erhöhte PSA-Wert war – rustikal formuliert – ein Zufallsfund im Rahmen einer routinemäßigen Untersuchung anlässlich des ebenfalls routinemäßigen Austausches meines Herzschrittmachers aus einem wirklich wenig spektakulären Anlass – die Batterie war leer.

Beim Einbau des Schrittmachers sechs Jahre zuvor lag mein PSA-Wert bei nur 0,4. Also musste er zwischen 2004 und 2010 stark gestiegen sein. Jetzt machte ich mir natürlich den Vorwurf, nie bei einer urologischen Vorsorgeuntersuchung gewesen zu sein, vielleicht hätte man ja schon viel früher einen erhöhten PSA-Wert festgestellt, weitere diagnostische Möglichkeiten ergriffen und eine frühe Heilbehandlung eingeleitet. Vielleicht hätte man dann die radikale Prostatektomie vermeiden können.

Für meine – zurückhaltend formuliert – zögerliche Haltung in puncto Vorsorgeuntersuchung gab es wohl gleich zwei Gründe: Zum einen hatte ich südlich des Äquators nie irgendwelche Beschwerden, auch nicht, als der stark erhöhte PSA-Wert festgestellt worden war, und zum anderen war mir zwar die Bedeutung von Vorsorgeuntersuchung bekannt, aber terminlich war es gerade ganz schlecht, es kam immer irgendetwas dazwischen, oder ich habe mir gesagt, wenn es demnächst ruhiger wird, dann gehst Du, aber ganz bestimmt. Das Ergebnis: siehe oben.

Vor dem Hintergrund dieser ganz persönlichen Erfahrung und einer Bitte der Klinik für Urologie im Universitätsklinikum Düsseldorf entsprechend habe ich gerne die Schirmherrschaft über die PROBASE-Studie übernommen, denn vielleicht kann die Studie, genauer gesagt die dabei gewonnenen Forschungsergebnisse und medizinischen Erkenntnisse dazu beitragen, dem Thema Früherkennung eine noch größere Bedeutung beizumessen und es mehr in das Bewusstsein der (potenziellen) Patienten zu rücken.

Gleichzeitig könnten die Forschungsergebnisse dazu beitragen, die Probleme über die Diagnostik und über Therapien deutlich zu reduzieren, denn in der Medizin kann es nicht nur ein „zu wenig“, sondern auch ein „zu viel“ geben – beides sollte man den Patienten ersparen.

Schon seit langer Zeit wird die Bedeutung des PSA-Screenings in regelmäßigen Abständen bei allen Männern ab einem bestimmten Alter national und international diskutiert, und vielleicht kann die Studie dazu beitragen, die Diskussionen neu zu beleben. Durch das PSA-Screening kann Prostatakrebs früher erkannt und besser behandelt werden, denn nicht nur, aber gerade bei Prostatakrebs kann eine rasche und richtige Therapie die Sterblichkeitsrate deutlich reduzieren. Durch dieses PSA-Screening können – möglicherweise – aber auch Untersuchungen und damit verbundene Belastungen für die Patienten vermieden werden, wenn bestimmte Behandlungen medizinisch nicht notwendig sind.

Von Herzen danke ich der Deutschen Krebshilfe für die Unterstützung der Studie und der Deutschen Gesellschaft für Urologie, die die Forschungsanstrengungen nicht nur mit Wohlwollen, sondern auch mit Ihrer Expertise unterstützt und fördert.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr

Wolfgang Bosbach MdB

 

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